Wirtschaftsförderung: „Wir für Viernheim“ – Einkaufen in der eigenen Stadt

Zum Teil mussten die Geschäfte in der Viernheimer Innenstadt komplett schließen. Umsätze brechen weg, der Kundenkontakt leidet.

„Das klassische, persönliche Beratungsgespräch wird nun überwiegend durch eine ausführliche Beratung über das Telefon ersetzt“, berichtet Alexandra Kohm-Killat, Leiterin der Buchhandlung Schwarz auf Weiß. „Vor allem bei Kinder- oder Bilderbüchern, die ja oft gerade durch ihre Illustration eine besondere Wirkung erzielen, ist das nicht immer eins zu eins leistbar. Da verschicken wir dann auch Handyfotos, damit sich der Kunde ein eigenes Bild machen kann“.

Durch solche Lieferangebote können die Bürgerinnen und Bürger ihre Lieblingsgeschäfte auch in dieser Corona-Krise unterstützen – getreu nach dem Motto der städtischen Wirtschaftsförderung, „Wir für Viernheim“.

Viernheim ist bekanntlich seit mehreren Jahren „Fairtrade-Town“ und fühlt sich dem fairen Handel verbunden. Unverzichtbar ist deshalb der Weltladen Viernheim. Seit Mitte März ticken aber auch dort die Uhren anders. „Aufgrund der aktuellen Situation haben wir ganz bewusst nur samstags geöffnet, um einerseits unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter zu schützen, die zum Teil zu den Risikopersonen gehören, aber auch um unseren geschätzten Kunden die Möglichkeit zu geben, fair gehandelte Produkte zu erwerben“, schildert Hilde Maier, 1. Vorsitzende des Eine-Welt-Kreises, welcher als Träger des Weltladens fungiert. Das Einkaufen ist also möglich, doch der soziale Treffpunkt in der gemütlichen Kaffeeecke muss ausfallen. Von den Stammkunden wird diese nette „Einrichtung“ schon jetzt sehr vermisst.

In Anspruch genommen wird der Abholservice. So richtet das Team die gewünschten Produkte und die Kunden müssen diese nur noch an einem Samstag abholen. „Ebenso sind wir froh, dass uns unsere Kunden auch in dieser doch schwierigen Zeit die Treue halten und ihre Einkäufe auf unsere Öffnungszeiten verlegen. Dafür sind wir unendlich dankbar“, so Maier. Um auch in der bevorstehenden Zeit den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten, braucht es zusätzliches ehrenamtliches Engagement vieler Mitglieder und Mitarbeiter. Genau dieses ist vorhanden und schweißt die eingespielte Truppe noch stärker zusammen.

Deutlich weniger Kunden als sonst kommen ins Radhaus Viernheim. Für den Inhaber des Fahrradgeschäfts, Andreas Hofmann, ist es ebenfalls nicht leicht, „aber wir sind froh, dass wir uns mit den Reparaturen, die weiterhin möglich sind, über Wasser halten können“. Ein Kunde darf sich immer im Laden aufhalten. Ansonsten muss im Hof kurz gewartet werden. Telefonische Beratungen zu Fahrrädern können vorgenommen werden und bei Bedarf könnte eine Auslieferung stattfinden. „Interessierte können sich zum Beispiel im Internet informieren und mit möglichen Fragen oder Wünschen an uns herantreten“, sagt Hofmann. Der Verkauf von Ersatzteilen -gerade jetzt zu Beginn der Fahrradsaison- bleibt bestehen.

Ein Buch zur Hand nehmen und dazu einen Tee trinken: Vielleicht lässt einem dies etwas zur Ruhe kommen und den Alltag in einer gemütlichen Ecke im Wohnzimmer vergessen. Die Buchhandlung Schwarz auf Weiß bringt Bestellungen nach Hause. „Unsere große Stammkundschaft aber auch viele neue sind darauf aufmerksam geworden und geben uns enormen Rückenwind. Wann, wenn nicht jetzt, hat man endlich einmal Zeit, all die Bücher zu lesen, die einen schon seit längerer Zeit interessieren?“, sagt Alexandra Kohm-Killat und freut sich selbstverständlich auf den Tag, die Türe wieder für die Kunden öffnen zu dürfen.

Das Wohnstudio Wiedenhoeft beklagt einen massiven Einbruch an Auftragseingängen. „Alle bestehenden Projekte wickeln wir ab, sobald Material von unseren Lieferanten kommt. Unsere Kunden werden regelmäßig über die aktuelle Entwicklung informiert und darüber hinaus haben wir bei den Sozialleistungen Stundungsanträge gestellt“, sagt Bianka Geidel. Recht überschaubar wird der Abhol- und Lieferservice angenommen, „wobei es für unsere Branche notwendig ist, dass Kunden Materialen anfassen bzw. sehen können“. Falls der Bedarf besteht, sind Beratungen via Skype über neu angeschaffte Computer möglich. Glücklicherweise zeigen die Kunden Verständnis und die Anfertigung der Gesichtsmasken werden gut angenommen. „Bei uns bestehen, wie an vielen anderen Stellen auch, Existenzängste, da wir einen gewissen Vorlauf im Auftragsvolumen benötigen und Aufträge seit etwa vier Wochen nicht mehr eingehen“, hebt Geidel hervor und führt fort: „Kredite kommen für uns nicht in Frage, weil es Verschuldung in eine für uns ungewisse Zukunft bedeutet“. Für jede Hilfe ist der Betrieb sehr dankbar und hofft, dass alle gesund bleiben.

Inzwischen 21 Seiten lang ist die Angebotsliste der Viernheimer Unternehmen und Gastronomie, die auf www.viernheim.de/angebote zum Download bereit steht und täglich aktualisiert wird. Ein Blick in die Liste zeigt auf, dass die Bürgerinnen und Bürger trotz Corona-Krise nicht auf alles verzichten müssen und viele Angebote in Viernheim weiterhin verfügbar sind, teilweise sogar mit Lieferservice. Die Liste kann auch einfach ausgedruckt werden.

Wichtig ist, diese Unternehmen gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. „Jeder kann dazu beitragen, dass in Viernheim während und auch nach der Krise das vielfältige Angebot erhalten bleibt“, wünscht sich Wirtschaftsförderer Alexander Schwarz. „Und bitte helfen Sie mit, diese Liste zu verbreiten“, appelliert Schwarz weiter. Denn finanzielle Verpflichtungen der Betriebe müssen trotz allem gestemmt werden. Alle Geschäftsinhaber hoffen, dass bald wieder Normalität einkehrt.